Kapitel 1: Anlass der Studie

Abschnitt 3

Die Vision

Wenn von „höherwertigem ÖPNV“ die Rede ist, sind damit insbesondere folgende Qualitätsanforderungen verbunden:

  • Der höherwertige öffentliche Verkehr steht nicht gemeinsam mit dem Autoverkehr im Stau. Er benützt eine eigenständige Fahrbahn oder einen besonderen Gleiskörper, um schneller voranzukommen.
  • Die Kapazitäten der Fahrzeuge sind ausreichend bemessen, um größere Fahrgastzahlen komfortabel zu transportieren.
  • Ein dichter Takt (Zielgröße: alle fünf Minuten) ermöglicht sehr kurze Wartezeiten für die Fahrgäste an den Haltestellen. Der ÖPNV ist hier hochgradig verfügbar, ohne dass man sich einen Fahrplan merken muss.
  • An den Haltestellen ist ein barrierefreier Ein- und Umstieg problemlos möglich. Die Fahrzeuge bieten ausreichend Platz für mobilitätseingeschränkte Personen oder Kinderwägen.
  • Beim Fahrzeugantrieb werden neueste Technologien angewendet. Das macht den öffentlichen Verkehr fit für die kommenden Jahrzehnte: leise, sauber und nachhaltig umweltgerecht.
  • Das Erscheinungsbild der Fahrzeuge fügt sich in das Stadtbild ein, ist identitätsstiftend und lädt zum Mitfahren ein.
  • Das Netz der Linien ist durchdacht, nimmt Rücksicht auf die städtebauliche Entwicklung der Stadt und seines Umlands. Das höherwertige ÖPNV-System stärkt zugleich die urbanen Funktionen in den angebundenen Quartierszentren in den Stadtteilen.
  • Das höherwertige Verkehrsmittel spielt optimal zusammen mit dem Schienen- und dem Regionalbus-Angebot. Durch bequeme und kurze Umstiege gelangen Pendler aus der Region schnell zu den unterschiedlichen Zielen im Stadtgebiet.
  • Die Gesamtattraktivität des ÖPNV-Systems führt zu einer deutlich größeren Inanspruchnahme. Das Auto wird bei vielen Alltagswegen seltener bis gar nicht mehr benötigt. Belastungen im Stadtgebiet durch den motorisierten Individualverkehr (Lärm, Abgase, Parkdruck) gehen nachhaltig zurück.

Kommentare (58)

Michael

ID: 560 28.02.2018 21:59

"Das Erscheinungsbild der Fahrzeuge fügt sich in das Stadtbild ein"
Wie soll sich denn bitte eine moderne Straßenbahn in das historische Stadtbild einpassen?

Barbara

ID: 558 28.02.2018 19:53

Ich kann die oben genannten Ziele zu 100 Prozent unterstreichen.
Ich habe aus Überzeugung kein Auto und das soll auch so bleiben; die Innenstadt sollte weitgehend nur für den Lieferverkehr zugänglich und ansonsten autofrei sein. Deshalb ist eine gute öffentliche Erschließung für Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind unabdingbar. Ich wohne in der Innenstadt und fahre zum Shoppen lieber mit dem Bus zum DEZ, da mir in der Innenstadt zu viele Autos unterwegs sind.
Taktung von 5 bis 6 Minuten auf allen Strecken ins Umland alle 10 Minuten. Am Wochenende dürfen diese Taktungen nur wenig verlängert werden.

Pro Tram

ID: 555 28.02.2018 18:57

Zunächst mal vielen Dank an die Stadtverwaltung für diese Form der Bürgerinformation und -beteiligung.
Die - nahezu einstimmigen - Stadtratsbeschlüsse am 22./23.02.18 für den Bereich Ernst-Reuter-Platz / Hbf lassen mich hoffen, dass der jahrelange "Entscheidungsstillstand" zum ÖPNV sein Ende findet - schade, dass diese Beschlüsse bisher in der lokalen Presse nicht gewürdigt worden sind.
Diese Gesichtspunkte machen mir Hoffnung:
1. Die Priorität liegt auf den Planungen für den ZOB am Hbf liegt und auf der Reduzierung/Neuordnung des mIV in diesem Bereich.
2. Damit kann der ÖPNV (= Bus) auch für die Zeit bis zu einer Trambahn (= 10-15 Jahre) optimiert werden; die Bevölkerung und die Arbeitsplätze nehmen in dieser Zeit ja weiter zu und das Bus-System ist heute schon an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Die Verknüpfung des optimierten Bus-Systems mit einem künftigen Tramnetz wird "mitgeplant".
3. Die zeitlich parallele Freiflächenplanung für den Bereich zwischen nördlicher Maxstrasse und Hbf. ermöglicht, dass dieser Bereich in Zukunft ein angemessenes städtebaulich-freiräumlich-gestalterisches Erscheinungsbild erhält und als Boulevard wieder dem Fussgänger zur Verfügung steht.
Immerhin hat sich dieser Bereich seit 1810/1860 zum "neuen", wichtigsten Eingang in die Altstadt entwickelt.

Als Grundlage für diese Planungsschritte ist jedoch die Gesamtverkehrsplanung zu aktualisieren: Der gültige GVP/VEP stammt von 1996/97! Mit der Neuaufstellung hat der Stadtrat bereits 2010 die Verwaltung beauftragt - mittlerweile müssten wenigstens Zwischenergebnisse vorliegen?
Seit 1997 ist Regensburg um gut 20.000 Einwohner gewachsen!

Und zur Tram-Planung sollten Trassen vertieft und alternativ geprüft werden:
z.B. Anbindung der Gewerbestandorte im Norden;
z.B. Einschleifung von der Nibelungenbrücke in die Achse Schwanenplatz-Dachauplatz-Hbf. statt über den Unteren Wöhrd (Neubau Eiserne Brücke!) über Reichsstraße und Minoritenweg.

Felix Thoma

ID: 510 27.02.2018 01:29

Einen Punkt möchte ich zur Auflistung ergänzen
- die Bündelung des öffentlichen Verkehrs entlang von direkten Linienführungen!

Bisher gibt es in Regensburg viele Stadt- und Regionalbuslinien mit einem geringen Takt und jeweils unterschiedlicher Linienführung. Zwar gibt es auf einzelnen Straßen bereits einen dichten Takt, z.B. auf der Nibelungenbrücke, dort aber nur durch Überlagerung von mehr als 10 Linien, was für die Fahrgäste sehr unübersichtlich ist, zumal manche Linien direkt am Hauptbahnhof und manche an der Albertstraße halten bzw. weil manche Linien über die Wöhrdstraße und manche über die Weißenburgstraße fahren. Eine Bündelung führt zwar zur Einstellung einzelner Haltestellen entlang von Nebenlinien, was aber durch einen höheren Takt und eine geringere Fahrzeit entlang von Hauptlinien sowie das klarere Liniennetz kompensiert wird! Eine Liniennetzreform könnte schon in 1-2 Jahren umgesetzt werden, weil dafür noch nicht einmal eine eigene Trasse benötigt wird, welche aber in einem späteren Schritt ergänzt werden kann und auch sollte.

Beispiel: In Berlin konnte allein durch eine Bündelung zu direkten, dicht getakteten und auch nachts fahrenden Metrobus- und -tramlinien das Angebot für die meisten Fahrgäste deutlich aufgewertet werden. Der Busverkehr ist aber angesichts fehlender eigener Trassen und nur teilweise vorhandener Busspuren immer noch sehr stauanfällig.

Schmidm

ID: 482 25.02.2018 19:37

Ich halte diese Nostalgie an einer Straßenbahn festzuhalten für Geldverschwendung, die aus folgenden Gründen zur Verärgerung vieler Bürger der Stadt Regensburg führen wird.
Eine Straßenbahn zu bauen dauert viele Jahre, ist sehr unflexibel, verursacht permanent hohe Instandhaltungskosten, engt die zur Verfügung stehenden Straßen erheblich ein. Die Fertigstellung ist nicht vor 10 Jahren zu erwarten. In dieser Zeit wird es keine Entlastung sondern eine zusätzliche Einengung des öffentlichen Nahverkehrs geben, da die Baustrecken weiterhin mit Bussen befahren werden müssen und der Betrieb der Straßenbahn wahrscheinlich erst zum Ende der Fertigstellung aufgenommen werden kann. Hinzu kommt, dass technische Probleme an der Tram (Bahn ist aus der Schiene gesprungen, Oberleitungsschaden, Weiche ist ausgefallen usw.) immer einen Totalausfall der Linie zur Folge hat, da die Problemstellen nicht umfahren werden können.
Buslinien sollten durch die Eröffnung eines Straßenbahn-Betriebs nicht eingespart werden, da viele einen sehr viel weiteren Fußweg von ihrem Wohnort zur Haltestelle hätten, der besonders im Alter nicht zumutbar ist. Dadurch entstehen zusätzliche Kosten für den Nahverkehr, da beide Strecken nicht wirtschaftlich arbeiten können.
Der Bedarf wegen eines hohen Verkehrsaufkommens entsteht aus meiner Einschätzung hauptsächlich durch den UNI- und OTH-Betrieb und ist damit real nur in der Studienzeit und nicht in den Semesterferien vorhanden. Zusätzlich sind hier nur eine sehr kleines Zeitfenster und eine begrenzte Strecke betroffen. Die Anzahl der Benutzer ist außerhalb des Gebietes Altstadt bis Uni-Gelände in dieser Hauptverkehrszeit sehr viel kleiner und rechtfertigt keinen kostspieligen Bau einer festen Trasse, die auf geänderten Bedarf nur mit sehr kostspieligen Umbauten reagieren kann.

Hinzu kommt nach einer Zukunftsvision autonomes Fahren in etwa 10 Jahren auf unsere Straßen, welches auch den öffentlichen Nahverkehr revolutionieren wird und einen unflexiblen Straßenbahnbetrieb unrentabel werden lässt

Max u. Evelinde Hutzler

ID: 472 25.02.2018 13:10

Ein zukünftiger ÖPNV muss gekennzeichnet sein durch den Vorrang vor PKW-Verkehr. Im Vergleich zum PKW-Verkehr muss Konkurrenzfähigkeit in Bezug auf die Faktoren Zeitgewinn, Flexibilität und Komfort sicher gestellt sein.
Es müsste ein System verwendet werden, dessen Schienennetz in die Region ausgreift und die Region einbindet. Die Notwendigkeit, nur vom engen Stadtgebiet her zu denken, ist in keiner Weise zukunftsfähig. Regensburgs Bedeutung ist längst weit in die Region hineingewachsen. Wer dies bei der Ausgestaltung eines zukünftiges ÖPNV nicht bedenkt, hat die Erfordernisse (vor allem auch ökonomisch und ökologisch) nicht verstanden.

Cornelia

ID: 464 24.02.2018 16:54

Ich halte eine Tram für völlig überflüssig. Wir haben einen funktionierenden Busverkehr.
Das Legen der Gleise würde für die Bauzeit einem Verkehrstod in Regensburg gleichkommen, ganz zu schweigen von den Kosten. Eine scheppernde Tram, noch dazu vielleicht mit hässlichen Stromleitungen über der Straße kann nicht im Sinne der Anwohner sein.
Besser wäre es noch mehr Busse auf Elektroantrieb umzustellen und die Taktung der Busse zu verkürzen.

xTRAM

ID: 456 24.02.2018 14:54

Am wichtigsten ist die Straßen in der inneren Stadt autofrei zu bekommen. Dazu muss man Teile der Straßen möglichst unattraktiv machen und die große Masse auf Umgehunhsstraßen lenken (Osttangente, etc...). Eine gut getaktete Straßenbahn kann dann die etwas leereren Straßen wie am Bahnhof gut nutzen und dort lang fahren. Sie muss dann von außerstädtischen P&R Plätzen und wohngebieten die Pendler, Schüler, ... sicher in die Stadt an zentrale Umsteigebahnhöfe bringen. Danach müssen die Busse auch neu ausgerichtet werden, um das Ganze auch attraktiv für die Leute zu machen, die noch ein Stück von der Trasse wegwohnen.
Außerdem wäre es gut, wenn man zu der Tram das bereits bestehende Schienennetz ausbauen (Oberleitung, Erneuerung der Schienen) und neue Bahnhöfe (z.B. Brandelberg, Rgbg Schwabelweis, Haselbach, etc.) bauen würde, könnte man das Ganze auch mit einer RegioS-Bahn verknüpfen. In einem weiteren Schritt könnte man alte Strecken, wie die nach Kehlheim wieder aufnehmen und weitere RegioS-Bahnen hinzufügen. Dies würde auch die Autobahnen A3 und A93, sowie die verschiedenen Bundesstraßen im Raum Regensburg entlasten.
Mögliche Strecken für solche Bahnen könnten z.B. Parsberg-Straubing, Schwandorf-Landshut oder nach Kehlheim sein. Mit diesem System könnte man lange vorrausbauen und dem Autochaos den Kampf ansagen.

bobby

ID: 452 24.02.2018 08:58

Ich lebe und arbeite seit vielen Jahren in Regensburg und habe mich bewusste für ein Leben in der Stadt entscheiden und benutze auch den RVV, um die Umwelt zu schonen. Die Vision einer "Stadtbahn" finde ich gut, weil ich glaube dadurch kommt es zu einer deutlichen Verkehrsberuhigung, Umweltentlasstung und damit auch zu mehr Lebensqualität in der Stadt.
Mein Arbeitsplatz befindet sich im Gewerbepark in Regensburg und deshalb wünsche ich mir eine direkte Anbindung des Gewerbeparks an das "Stadtbahnnetz".

Andrea Vera

ID: 443 23.02.2018 11:36

Der Abbau des Staus wäre eine primäre Aufgabe. Die ÖPNV müsste, so wie versprochen, tatsächlich attraktiver als der eigene fahrbare Untersatz werden.